
Lilli ist eigentlich eine total entspannte Katze. O.k., sie läßt sich nur sehr ungern hochheben und rumtragen schon gar nicht, aber solange sie ihr "Sein" selber bestimmen kann, geht es ihr blendend - und das schon über sechs Jahre in Langen.
Doch dann war Schluss mit der Selbstbestimmung. Alle Nasen lang kamen die zweibeinigen Dosenöffner mit diesem grauenhaften Katzenkorb, stopften die von Natur aus völlig gesunde und kampferfahrene Katze in den Katzenkorb und brachten sie zum Tierarzt. Dort wurde die Chefin der Sophie-Scholl-Straße zig mal gepiekst, gechipt und den letzten Tropfen Blut haben sie ihr auch noch aus der Pfote gequetscht. Mit schweißnassen Pfoten schlich die Königin zurück in den verhassten Korb. Erniedrigend.
Und dann wurde es in der Sophie-Scholl-Straße richtig ungemütlich... Die Dosenöffner fingen an, dauernd irgendwas durch die Gegend zu tragen. Aber dann war wieder fast wie immer: Sie beluden ihr Auto - das tun sie fast jede Woche. Aber dann machten sie einen Fehler - sie holten den blöden Katzenkorb und nicht nur den. Sie quetschten die Königin der Freigäger in ein Katzengeschirr - fast wie einen Hund!!!
Die wollten Lilli mitnehmen... Warum bloß? Das wollten sie noch nie! Lilli blieb immer zu Hause, eine muss ja schließlich auf den Garten, pardon: das Revier, aufpassen.
Zwei Tage dauerte die Strapaze im Korb und mit KATZENKLO - wie peinlich.

Dann endlich durfte Lilli raus aus dem Käfig, aber nicht ganz raus. Stefan erklärte Ihr, dass sie nicht zurückfinden würde, wenn sie jetzt rausrennen würde, aber sie hatte ja keine Ahnung, wovon er redete. Außerdem hört Lilli wirklich schlecht zu. Lilli war sich sicher, dass draußen alles wie immer war, auch wenn das Haus wohl ein anderes war.
Lilli hasste alles, zuerst wollte sie aus der Ecke nicht raus und dann nicht mehr von dem zugriffsicheren Kühlschrank runter
Doch dann kam Dosenöffner No 1 endlich auch noch und diese(r) hatte soviel Mitleid mit der völlig verstörten Katze, dass sie Lilli mitsamt ihrem Geschirr auf den Arm nahm, um ihr zu zeigen, wo sie war und dass das hier nicht Langen ist...
Ein fataler Fehler. Lilli drehte durch, sprang vom Arm, sprang, drehte sich, sprang, zog und wurschtelte so schnell und so lange, bis sie sich aus dem "Supersicher-Katzengeschirr" herausgequetscht hatte und verschwand wie ein Silberstreif in den Büschen rund ums Haus.
Am vierten Tag standen Annika und Dosenöffner No 1 am Auto und quatschten, da kroch unter einem Sperrmüllhaufen Lilli hervor - als wäre nichts gewesen. Sie folgte uns ins Haus und wollte tagelang nicht mehr raus. Dabei hätte sie jetzt gedurft, schließlich hatte sie bewiesen, dass sie sich doch zurechtfinden konnte, auch wenn sie sich nicht auskannte.
Aber sie wollte nicht. Lilli nahm innerhalb einer Woche ein Kilo zu. Wir dachten schon, sie hätte einen schwedischen echten Kater getroffen.
Nur langsam traute sich Madame wieder raus in den Garten und am liebsten, wenn wir irgendwas im Garten zu schaffen hatten. Gingen wir rein, war sie sofort auch wieder drin.

Es war kalt, es war stürmisch und es regnete. Lilli war weg. Wir stellten ihr Futter hin und das verschwand während der Nacht. Ob es Lilli war?
Wir fanden Katzenspuren im Garten, es roch nach Katze und wir hörten immer wieder ein verzweifeltes Miauen. Wir liefen tagelang durch den Garten und in der Nachbarschaft herum und hielten Ausschau nach Lilli. Keine Lilli zu sehen. 
Doch als Lilli gerade wieder etwas Mut gefasst hatte und auch mal alleine in den Garten ging, verschwand sie wieder. Zwei Nächte lang war sie weg.
Annika sah in Nachbars Garten einen hübschen langhaarigen Kater und noch drei weitere, alle waren um ein kleines Gartenhaus gruppiert. Als wir über die Katzen und auch über Lilli sprachen, kroch eine völlig verstaubte, dreckige Lilli unter dem Gartenhäusschen hervor und kam zu uns, gefogt von den Herren, allerdings in gebührendem Abstand. Lilli war wieder frei - von uns geleitet, konnte sie zurück ins Haus. 
Jetzt hat sie hoffentlich ihr Revier im Griff. Oft kommt Sie mit einem aufgebauschten Schwanz und übler Laune heim, aber sie kommt heim. Und sie hat bisher auch die Katzenklappe vor den Jungs verteidigen können. Aber auch diese Jungs scheinen keine echten zu sein - Lillis Extrakilo ist wieder weg.

Es geht ihr gut. Nur das Aldi-Katzenfutter fehlt ihr ;-).